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Geniale Apotheker

Vor der Entstehung pharmazeutischer Betriebe waren Apotheken brodelnde Labore, in denen sich emsige Heilkundler um die Entdeckung nützlicher Stoffe und Mixturen bemühten. Manchmal zufällig, manchmal nach langer Suche sind daraus bahnbrechende Erfindungen hervor gegangen. An einige der berühmtesten Apotheker wollen wir auf dieser Seite erinnern.

Das „weiße Gold“ des Johann Böttger

Bereits mit 14 Jahren begann Johann Friedrich Böttger eine Apothekenlehre. Schon bald führte der Wunderknabe aus dem 17. Jh. so geniale Experimente durch, daß ihn der Sächsische König an seinen Hof holte. Damals kaum über zwanzig sollte Böttger das Rezept zur künstlichen Herstellung des Goldes finden, was natürlich mißlang. Doch auf der Suche nach des Rätsels Lösung erfand Böttger das Meißner Porzellan, und damit das erste Porzellan Europas. Böttger wurde Leiter der Dresdner Porzellanmanufaktur, verstarb jedoch bereits 1719 im Alter von nur 27 Jahren.

Das Döbereiner-Feuerzeug

Johann Wolfgang Döbereiner wurde 1780 in ärmlichen Verhältnissen geboren. Schon früh experimentierte der junge Apotheker mit Naturalien und eignete sich autodidaktisch Kenntnisse in Chemie, Botanik und Mineralogie an. Obwohl er nie studiert hatte, wurde er als Lehrkraft an die Jenaer Universität berufen. Der Erfindungsreichtum von Döbereiner erstreckte sich über mehrere Sachgebiete. So gilt er als Vordenker des heutigen Periodensystems der Elemente. Seine Entdeckung der „Knallgasreaktion“ führte schließlich zur Erfindung des nach ihm benannten ersten Platinfeuerzeugs. Ein Hörsaal der Jenaer Universität trägt bis heute den Namen „Döbereiner-Hörsaal“.

Das Morphium aus Einbeck

Friedrich Wilhelm Sertürner (1782 bis 1841) versuchte sich zeitlebens als selbständiger Apotheker zu etablieren. Aussichtslose Konkurrenzsituationen ließen ihn mehrfach scheitern, bis er sich im niedersächsischen Einbeck niederließ. Selbst härteste Existenzkämpfe hinderten ihn nicht daran, eine faszinierende Idee zu verfolgen. Das Opium als Extrakt des Schlafmohns war bereits entdeckt. Sertürner wollte das „Schlafmachende Prinzip“ an sich begreifen. Er unterzog sich lebensgefährlichen Selbstexperimenten, bis ihm erstmals die Isolierung des Wirkstoffs Morphin gelang. Eine Entdeckung, die zur damaligen Zeit nur mäßig gewürdigt wurde. Bis heute jedoch ist Morphium das meist verwendete Narkotikum der Medizin.

Künstliches Mineralwasser aus Dresden

Der Dresdner Apotheker Gustav Adolf Struve, geb. 1781, hatte sich bei seinen Experimenten mit Blausäure vergiftet und konnte nur durch mehrere Mineralwasserkuren in Karlsbad und Marienbad geheilt werden. Zurück in der Heimischen Salomonis-Apotheke versuchte er mit Hilfe verschiedener Mineralien das heilsame Wasser künstlich herzustellen, was ihm perfekt gelang. Die Wirkung seines künstlichen Mineralwassers galt als vergleichbar mit dem der Heilquellen. Kuren mit künstlichem Mineralwasser kamen über Sachsen Grenzen hinaus in Mode. Für seine Erfindung wurde Struve vom sächsischen König mit einem Verdienstorden geehrt. Er starb 1840 in Berlin. Die Salomonis-Apotheke kann man noch bis heute in der Dresdner Neustadt bewundern.

Die erste Tubenzahncreme

 Ebenfalls in einer Dresdner Apotheke wurde die erste maschinell herstellbare Zahnpasta entwickelt. Ottomar Heinsius von Mayenburg (1865 – 1922) erfand in der Dachstube seiner Apotheke die Zahncreme „Chlorodont“, die bald industriell gefertigt und in Metalltuben abgefüllt wurde. Die praktische Tubenzahnpasta eroberte bald den gesamten europäischen Markt.

Pembertons Coca Cola

 Was hat Sertürners Morphium eigentlich mit Coca Cola zu tun? Das abhängig machende Narkotikum war dem Apotheker John Stith Pemberton aus Georgia zum Verhängnis geworden. Auf der Suche nach einem neutralisierenden Substrat setzte er seine ganze Hoffnung in die Coca-Pflanze. Was heraus kam, war zwar ein aromatisches und anregendes Getränk, half Pemberton jedoch nicht weiter. Bald verkaufte der schwer kranke Apotheker zwei Drittel seines Patentrechtes an die Firma Asa Candler und verhalf der kleinen Getränkefabrik damit zu einem bisher nie dagewesenen kommerziellen Welterfolg. Auch wenn das Kokain inzwischen aus dem Rezept entfernt ist, wird die Mixtur für den Coca Cola Sirup bis heute in einem Banktresor in Atlanta gehütet. Für dessen heutigen Wert hätte sich der arme Mister Pemberton die teuerste Entziehungskur der Welt leisten können.Wenn es damals schon so was gegeben hätte.

Brad's Drink oder Pepsi Cola

 Auch Pepsi Cola ist in einer Apotheke erfunden worden. Allerdings lebte Caleb Bradham (1867 –1924) fast genau hundert Jahre später als Pemberton. Der Mann aus North Carolina.

suchte eine „saubere“ Alternative zur damals noch Coca-haltigen Cola. Seine Erfindung, die genauso schmeckte, dem Magen gut tat und ohne Suchtstoffe auskam, lieferte er zunächst in Gallonen nur an andere Apotheken aus. Erst als der Erfolg immer größer wurde, gründete er 1902 die erste Pepsi Cola Firma.

Münchner Plastilin

 Der Münchner Apotheker Franz Kolb hat seine berühmteste Erfindung seiner Freundschaft zu Künstlern, insbesondere zu Bildhauern zu verdanken. Als diese immer wieder über die Anfälligkeit ihrer Gipsmodelle klagten, die besonders im Winter schnell spröde wurden und zerbrachen, setzte er sich an die Lösung des Problems. 1890 hatte er dann endlich das Plastilin erfunden. Schon bald konnte er eine Firma gründen und die Erfolgsgeschichte der leicht formbaren, schlag- und witterungsbeständigen Knetmasse begann.

Mit Sicherheit gibt es noch mehr Erfindungen, die von Apothekern gemacht wurden. Sollten Sie von einer bemerkenswerten Entdeckung wissen, die hier nicht genannt wurde, können Sie der Redaktion gern einen Tipp geben.

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